Die USA stehen an zweiter Stelle, wenn es um Treibhausgas-Emissionen geht. Rund 12 % des weltweiten Ausstoßes, ein hohes pro-Kopf-Aufkommen und große Bevölkerungszahlen machen das Land zum Klimasünder. Der Weg der USA zur Bewältigung des Klimawandels lässt noch viele Fragen offen.
Die US-amerikanische Klimapolitik
Der Weg der USA in eine klimafreundlichere Zukunft mit weniger Treibhausgasen ist von von politischem Wechsel gekennzeichnet – in der Vergangenheit ging es holprig voran. Während Präsident Obama ein Befürworter einer grünen Politik war, kippte sein Nachfolger Trump fast 100 Umweltvorschriften und -regelungen. Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen im Jahr 2017 sorgte weltweit für Empörung und viel Unverständnis. Trumps Kurs wurde unter Präsident Biden dann korrigiert: Gleich nach Bidens Amtsantrittsrede am 20. Januar 2021 unterzeichnete Präsident Biden die offiziellen Schriftstücke, mit denen die Vereinigten Staaten zum Pariser Abkommen vom 12. Dezember 2015 zurückkehren. Das Pariser Abkommen stellt eine der wichtigsten internationalen Grundlagen für die Erreichung von Klimazielen dar. Die Biden-Administration gibt den Umwelt- und Klimaschutz wieder höchste Priorität.
Die derzeitigen Klimaziele der USA
Bis zum Jahr 2050 will Biden eine 100 Prozent saubere Energiewirtschaft erreichen – mit Netto-Null-Emissionen. Bereits zum Ende seiner ersten Amtszeit im Jahr 2025 sollen wesentliche Meilensteine auf dem Weg dorthin erreicht werden. Bis zum Jahr 2030 will das Land den Ausstoß an Treibhausgasen halbieren – als Basisjahr gilt das Jahr 2005. Deutlich im Diagramm ist erkennbar: Insbesondere der Energiesektor erzeugt die meisten Emissionen. Anteilig waren es 2005 rund 85 % aller freigesetzten Treibhausgase und ein Gesamtausstoß von 7488.2 Mio t CO2-Äquivalent. Die Zielsetzung – eine Halbierung auf rund 3.744 Mio t CO2-Äquivalent ist ambitioniert.
Wohin entwickelt sich die Lage?
Im Energiemix der USA haben erneuerbare Energien zugenommen. Allerdings: In gleichem Maß steigt auch die Verwendung von Gas als Energiequelle, während Kohle rückläufig ist. Eine starke Verschiebung von Kohle zu Gas ist allerdings deutlich bereits in den Jahren 2005 bis 2018 erkennbar. Ein sprunghafter Anstieg erneuerbarer Energien ist nicht erkennbar, war aber auch nie geplant. Dennoch verläuft die Kurve von 2021 bis 2022 verhältnismässig flach – ein wenig höher sollte sie nach Plänen der US Regierung aber bereits sein. Neuere Daten liegen nicht vor, die Jahre 2023 und 2024 könnten und sollten einen deutlicheren Trend hervorbringen. Andernfalls sind die ambitionierten Pläne nicht zu erfüllen.
Immerhin: Erdgas ist energieeffizienter als Kohle und erzeugt auch weniger Treibhausgase als Kohle. Das zeigt sich auch im Sinken von Emissionen zwischen 2005 und 2018 sowie darüber hinaus. Dennoch ist in den Jahren 2021 und 2022 nur ein leichter Rückgang der Emissionen zu erkennen. Vom gesetzten Ziel – 50 % weniger als im Jahr 2005 – ist das noch weit entfernt. Bemängelt wird das auch von Wissenschaftlern, die Zielerreichung der USA ist auf wackeligen Füßen. Auch die Behörden in den USA bestätigen das Bild: Die U.S. Energy Information Administration (EIA) geht in ihrem Energie-Ausblick 2023 davon aus, dass bis 2030 eine Senkungen der Treibhausgas-Emissionen von 25 bis 38 % erreicht wird (EIA-Report: Link zum PDF).
Wie geht es weiter mit den Klimazielen der USA?
Der Ausbau der Kapazitäten ist entscheidend. Die American Clean Power Association (ACP) berichtet, dass seit Juli 2022 Investitionen in Hähe 455 Milliarden US Dollar in grüne oder erneuerbare Energien sowie 128 neue Produktionsanlagen angekündigt wurden. Tatsächlich sollten im Jahr 2023 die Kapazitäten alleine aus Solarenergie um rund 28 % gegenüber dem Vorjahr steigen. Die kommenden Daten werden also spannend.
Ob Präsident Biden wie geplant zum Ende seiner Amtszeit große Erfolge feiern kann, ist unterdessen ungewiss. Die nächste Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 ist für den 5. November 2024 geplant – im Januar 2025 soll der Gewinner der Wahl als Präsident vereidigt werden. Zum Ende März 2024 liegt Präsident Biden in den Umfragen vorne. Aber: Der Vorsprung beträgt nur wenige Prozentpunkt und der Kandidat Donald Trump als Herausforderer Bidens ist nicht gerade für eine umweltfreundliche Politik bekannt. Selbst als verurteilter Straftäter kann er nach US-amerikanischem Recht eine Wahl gewinnen.





