Extremwetterlagen wie Starkregen, Hitzewellen, Kältewellen, Stürme und Unwetter – immer neue Temperaturrekorde … diese Ereignisse sind zu ständigen Begleitern geworden. Die Entwicklung von Temperaturen seit den 1950er Jahren macht zudem deutlich: Es wird immer wärmer. Hier findest du einen Überblick und aktuelle Meldungen.
Aktuelle Meldungen zum Thema.
Hitzerekorde: Der Juni und Juli 2024.
29. 07.2024: Für den Juni 2024 meldete der europäische Copernicus Climate Change Service (C3S): Die weltweiten durchschnittlichen Temperaturen sind zwar etwas gesunken, liegen aber im zwölften Monat in Folge über dem Niveau von 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau. Die Ziele der Bemühungen um die Erderwärmung aus dem Pariser Klimaabkommen sind damit stärker gefährdet denn je – mehr als 1,5 °C sollten es nicht werden. Die weltweiten Wassertemperaturen wiesen Rekorde auf: Es waren die höchsten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen für den Monat Juni. Ein weiterer Rekord ereignete sich am 22. Juli 2024. Noch nie zuvor lag der globale Durchschnitt so hoch bei 17,16 °C. Entlang des Mittelmeeres wurden Hitzerekorde verzeichnet, die Tempmeraturen kletterten beispielsweise auf Sardinien auf bis zu 45 °C, auch in Spanien, in der Türkei und Griechenland klettert das Thermometer auf deutlich über 40 °C. Das Mittelmeer zeigt sich Ende Juli mit bis zu 30 Grad Oberflächentemperatur viel zu warm. Hitzewarnungen gelten derzeit fast für den gesamten Mittelmeerraum.
Wärme und Regen: Der Mai 2024.
Der Monat Mai lag laut DWD (Deutscher Wetterdienst) im Jahr 2024 mit 14,9 Grad Celsius (°C) um 2,8 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990 (12,1 °C). Damit war es der fünftwärmste seit Messbeginn. Er zeigte sich auch nass mit ungewöhnlichen 125 Litern Wasser pro Quadratmeter. Hochwasser in Rheinland-Pfalz sowie im Saarland waren die Folge. Auch in der Schweiz war der Mai 2024 von viel Regen geprägt und auch in Österreich war es nass und warm. Weltweit lagen auch die Meerestemperaturen weiterhin über dem Durchschnitt. Das Wetterphänomen El Niño hat sich weiter abgeschwächt. Experten erwarten den Wechsel zu La Niña im Juli 2024. Nach langen Dürren in Afrika folgten verheerende Regenfälle und Überflutungen und auch im südlichen Asien stiegen die Temperaturen im April und Mai ungewöhnlich stark auf über 40°C – in Form ausgeprägter Hitzewellen.
Zu warmer April 2024.
08 Mai 2024: Der Copernicus Climate Change Service/ECMWF meldet auch für den April Rekordtemperaturen weltweit. Der Monat zeigte sich weltweit um 1,58°C wärmer als vor etwa 50 Jahren. In Deutschland sprengte der April sämtliche Temperaturrekorde mit 2,6°C über dem Niveau vor etwa 50 Jahren. Noch ist das Wetter von El Niño beeinflusst. Allerdings: El Niño schwächt sich ab, ein Ende ist bald zu erwarten, meist gefolgt vom gegenteiligen Phänomen La Niña mit zu kalten Temperaturen. Auch die durchschnittliche globale Meeresoberflächentemperatur für April 2024 lag mit 21,04°C über dem Durchschnitt. Außerhalb Europas waren vor allem das nördliche und nordöstliche Nordamerika, Grönland, Ostasien, der nordwestliche Nahe Osten, Teile Südamerikas und große Teile Afrikas weit über dem Temperaturdurchschnitt. Damit hält die schwierige Lage in Afrika weiterhin an.
Schwere Unwetter in Dubai und Oman.
18. April 2024: Der Wüstenstaat Dubai erlebte am 17. April 2024 so starke Unwetter wie nie zuvor: Rund 142 Liter Wasser pro Quadratmeter – das entspricht etwa einer Kiste in der Größe von 80 x 60 x 45 cm – sind innerhalb weniger Stunden gefallen. An der Grenze zum Land Oman sollen es sogar bis zu rund 250 Liter Regen gewesen sein. Das sind ausnahmslos Rekordwerte. Zusätzlich kam es zu starken Sturmböen, U-Bahnen und Straßen sind überschwemmt, Flüge wurden gestrichen, viele Passagiere saßen fest – teils im Flugzeug mitten auf dem Flugfeld umgeben von hoch stehendem Wasser. Noch schlimmer hat es den Nachbarstaat Oman getroffen. Dort sind mindestens 18 Menschen in den Sturzfluten ums Leben gekommen. Auch Saudi-Arabien, Bahrain und Katar leiden unter dem sintflutartigem Wetter. Seit dem Jahr 1949 gab es in Dubai keine Starkregenereignisse mit solchem Ausmaß.
April 2024: Warmer und nasser Jahresstart im Januar, Februar und März.
Das Jahr begann bereits im Januar über den sonst üblichen Durchschnittstemperaturen. Der Februar war ein Rekordmonat: Seit 1881 gab es keinen so warmen Februar mehr in Deutschland. Die Durchschnittstemperatur von 6,6°C im Februar lag in Abhängigkeit von der Region zwischen etwa 4 und 5,5°C über dem Durchschnitt. Wenig Sonne gab es noch dazu, es war überdurchschnittlich trüb und nass. Auch der März war mit durchschnittlich 7,47°C deutlich über den üblichen Werten und zeigte sich um mehr als 3°C zu warm – Ende März sogar mit sommerlichen Temperaturen deutlich über 20°C. Der März hat mit 1.68°C über dem vorindustriellen Niveau neue Rekorde aufgestellt – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
April 2024: Trockenheit in Teilen Spaniens und hinter der nordafrikanischen Küste.
Das European Drought Observatory zeigt Alarmstufe Rot in Teilen Spaniens: Insbesondere an der Südküste des Landes von Valencia bis Malaga ist das Dürre-Risiko extrem hoch. Eingeschlossen sind auch die Balearen mit Mallorca und anderen beliebten Reisezielen. Auch die Brandgefahr in der Region ist stark erhöht – vor allem im Hinterland von Barcelona und Tarragona. Von der Trockenheit noch stärker betroffen sind die Küsten Nordafrikas: Marokko, Algerien und auch Tunesien leiden unter dauerhaften Phasen ohne Regen. Alle genannten Regionen sind zunehmends von Dürren betroffen.
März 2024: Dürren und Überschwemmungen in Afrika.
Angola, Namibia, Sambia, Simbabwe, Malawi, Botswana, Kongo, Teile Südafrikas und auch andere Gebiete leiden unter einer Kombination aus extremer Hitze und Überschwemmungen. In einigen Ländern wurde die Trockenheit zum nationalen Notstand erklärt. Das Wetterphänomen El Nino verstärkt solche Extremwetterereignisse. Nach Angaben des Senders CNN sind etwa 24 Millionen Menschen akut von Hungersnot bedroht, etwa 2 Mio Hektar Ackerlandbepflanzung sind beschädigt. Die ohnehin trockenste Zeit des Jahres fällt im Jarh 2024 noch ärger aus, als üblich: Seit rund 40 Jahren gab es noch nie so wenig Regen, der Februar war in einigen Gebieten gar der trockenste Monat seit etwa 100 Jahren. In östlichen Angola, westlichen Ruanda, nördlichen Sambia sowie Tansania und Burundi dagegen kämpfen die Menschen mit Überschwemmungen. Der Zyklon Gamane – ein Wirbelsturm – hat am 27sten März auf Madagaskar getobt – vor allem im Norden. Dabei gab es auch Todesopfer und schwere Überschwemmungen. Madagaskar und auch der gesamte afrikanische Kontinent sind besonders stark vom Klimawandel bedroht.
September 2023: El Niño setzt ein.
El Niño ist ein Wetterphänomen, dass alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Dabei verändern sich Strömungen von Luft und Meer im Pazifik derartig, dass es zu weltweiten Auswirkungen kommt. Spätestens seit September 2023 ist bekannt, dass es zusätzlich zu den ohnehin schon hohen Temperaturen auch noch Einflüsse durch El Niño gibt. Das Phänomen dauert in El Niño hat Folgen: Überschwemmungen durch starke Regenfälle, Dürren durch zu wenig Regen, Wirbelstürme, Waldbrände und Erdrutsche können verursacht werden. In der Regel dauert das Phänomen etwa 1 bis 2 Jahre an. Forscher fürchten, es könne im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu einem Dauerphänomen werden. Neu wäre das nicht, in der Erdgeschichte hat es bereits lange El Niño-Phasen gegeben – mit intensiven weiteren Erwärmungen und steigenden Meeresspiegeln weltweit. Der deutsche Wetterdienst rechnet mit einem Abklingen bis zum Sommer, gesichert ist das aber nicht. Nach El Niño folgt in der Regel die Umkehrung des Phänomens: El Niña, mit kälteren Temperaturen.
Rekordjahr 2023
2023 war das wärmste Kalenderjahr seit Beginn globaler Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1850, so zeigen es Daten des Copernicus Climate Change Service. Die 1,5 Grad-Grenze, die im Pariser Abkommen nicht überschritten werden soll, ist damit de facto bereits jetzt erreicht. Hitzerekorde gab es auch bei den Meerestemperaturen. So lag das Oberflächenwasser der Weltmeere von Juni bis Dezember 2023 in jedem Monat bei den höchsten jemals gemessenen Werten für die Oberflächentemperaturen der Weltmeere mit einem Maximum von 21.02°C weltweit. Das Mittelmeer als Hotspot wies bis über 28° C Grad Wassertemperatur auf – viel zu warm. Zu den hohen Wassertemperaturen hat auch ein El Niño-Event seit September beigetragen.
Was ist Extremwetter?
Nach Definition des IPCC beschreibt der Begriff des Extremwetters ein Ereignis, das an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit selten ist. Kommt es also zu einer Hitzewelle in Mitteleuropa im Monat April oder Mai, dann ist das ist ein seltenes Ereignis. Auch anhaltende Dürren in Europa zählen zu diesen seltenen Ereignissen, genauso wie Starkregen und darauf folgende Fluten, extrem warme Temperaturen, Wirbelstürme, Hagel, Kältewellen, Schneefall und andere Wettereignisse, die ungewöhnlich am betreffenden Ort zur betreffenden Zeit sind. Ein Unwetter dagegen ist nicht zwangsläufig ungewöhnlich – Gewitter im Sommer in Mitteleuropa sind beispielsweise ein übliches Ereignis. Im Jahr 2015 wurde der Jemen von zwei verheerenden Wirbelstürmen (Zyklone) in kürzester Zeit getroffen – das ist ungewöhnlich und wurde noch nie zuvor beobachtet. Es handelt sich also in diesem Fall um ein Extremwetter.
Extremwetter und Klimawandel.
Vorab: Nicht jedes Extremwetter, nicht jeder Temperatur- oder Wetterrekord oder jedes Unwetter ist eindeutig dem Klimawandel zuzuschreiben – auch wenn es sich oft so anfühlt, wenn wir selbst von Hitzewellen betroffen sind, wenn der Rhein austrocknet oder wir von zerstörerischen Fluten getroffen werden. Der Klimawandel macht sich viel mehr durch Häufigkeit, Dauer und Intensität von Extremwetterlagen bemerkbar. Man kann also erst im Nachhinein beurteilen, ob das Klima in einem Monat oder ein Jahr dem Klimawandel zuzuschreiben ist. Der Klimawandel zeigt sich vor allem in Form einer Entwicklung über längere Zeiträume. So gab es beispielsweise in den 1970er Jahren keine Tage im Jahr, in denen die Lufttemperaturen mehr als 1 Grad über dem vorindustriellen Niveau lagen. Seit den 1990er Jahren ist dagegen ein deutlicher Trend erkennbar, der dem Klimawandel zugeschrieben werden kann.
Temperaturen seit 1940
Das Diagramm zeigt die durchschnittliche Anzahl der Tage im Jahr, in denen die weltweiten Lufttemperaturen über den vorindustriellen Niveau von 1850 lagen. Während bis in die 1990er kaum Erwärmungen feststellbar sind, wird es seit den 2000er Jahren ständig kritischer wird. In den 2020er Jahren lagen die Temperaturen im Schnitt an 350 Tagen im Jahr über ganz 350 Tage über 1 Grad Celsius mehr im Vergleich zu 1850 – es ist also weltweit fast im ganzen Jahr zu warm.





